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TVöD Forum
...... für alles was irgendwie mit dem TVöD / TV-L, seinen Auswirkungen und Protest gegen ihn zu tun hat!..ganz frisch noch!
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Tarifkampf 2010
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Verfasst am: 16. 12. 2009 [09:20]
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roland
roland
Themenersteller
Dabei seit: 20.08.2011
Beiträge: 0
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Ich schreib mal hier in die Rubrik "Tarifkampf" 2009, auch wenn es jetzt um 2010 geht... Gestern hat Verdi ja die Forderungen für 2010 beschlossen. Wenn man sich die Details ansieht, stellt man fest das es vielfach nur um Reparaturen am mißlungenen TVöD geht: Z.B. heißt es bei Verdi "Außerdem fordert ver.di, dass die Bewährungsaufstiege wieder in Kraft gesetzt werden. Diese waren mit der Tarifreform 2005 in Erwartung einer zeitnahen Einigung auf eine neue Entgeltordnung ausgesetzt worden. Da es diese neue Entgeltordnung bisher noch nicht gibt, sollen die Bewährungsaufstiege zunächst weiter gelten." Dann wünscht man sich eine Verbesserung bei den Garantiebeträgen: "Als erstes soll z. B. der Garantiebetrag bei Höhergruppierungen erhöht werden." Eigentlich geht es also nicht (oder nur zu einem geringen Teil) um tatsächliche Entgelt-Erhöhungen, sondern nur darum, den Boden den man 2005/2006 mit dem Ende des BAT ohne wirkliche Not preisgegeben hat, jetzt Stück für Stück mühsam (vielleicht) wieder aufzuholen!!! Um mal bei diesen beiden Forderungen zu bleiben und zu hinterfragen, was damit eigentlich gemeint ist, will ich mal meine Sicht hier bringen: 1. Thema ehemalige Bewährungsaufstiege nach BAT und neue Entgeltordnung Verdi ist tatsächlich so dreist und schreibt "...in Erwartung einer zeitnahen Einigung auf eine neue Entgeltordnung..."! Ja wie naiv ist das denn???? Als Verantwortliche Verhandlungsführer muß ich doch so klug und vorausschauend sein, das ich einen Vertrag nur abschließe, wenn durch eine entsprechende Klausel Druck gemacht wird, das eine neue Entgeltordnung tatsächlich "zeitnah" in Kraft tritt. Eine solche Klausel hätte lauten können: "Sofern bis zum xx.xx.xxxx eine neue Entgeltordnung nicht in Kraft getreten ist, leben alle Bewährungsaufstiege ohne Unterbrechung wieder auf." Hätte Verdi auf einer solchen Klausel bestanden, wäre der TVöD 2005 bzw. der TV-L 2006 garantiert nicht in Kraft getreten!!!! Denn die Arbeitgeberseite hätte sich auf eine solche Klausel natürlich nicht einlassen können. Schließlich hätte sie sich dann dem Willen der Gewerkschaft ausgeliefert (nach dem Motto: "Entweder die Entgeltordnung sieht so und so aus, oder wir verzögern die Verhandlungen so lange, bis die Bewährungsaufstiege wieder aufleben"). In diesem wünschenswerten Fall, hätte eben nicht nur ein neuer "Rumpftarifvertrag" mit vielen wenns und abers und vielleichts 2005 in Kraft treten können, bei dem der wesentliche Kern (nämlich die Entgeltordnung) auf unbestimmte Zeit fehlt, sondern es hätte solange weiter verhandelt werden müssen, bis auch die Entgeltordnung gestanden hätte! Bis dahin hätte zu unser aller Vorteil der BAT unverändert weiter gegolten. Sich 2005 hinzustellen und zu sagen "es ging nicht anders, der BAT mußte abgelöst werden weil völlig veraltet und unzeitgemäß und mit dem TVöD ist uns ein Jahrhunderttarifvertrag gelungen" ist einfach nur erbärmlich. Es gab bereits damals unzählige kritische Stimmen dazu und die Tarifforderung für 2010 bestätigt diese kritischen Stimmen geradezu! 2. Garantiebeträge bei Höhergruppierungen Auch dieses Detail des TVöD ist ein Lehrstück an Unfähigkeit auf Seiten der gewerkschaftlichen Verhandlungsführer! Nachdem es im TVöD keine Alters- sondern Erfahrungsstufen gibt, fällt ein Beschäftigter bei einer Höhergruppierung von seiner erreichten Erfahruntsstufe in der bisherigen Entgeltgruppe in der neuen Entgeltgruppe zurück auf die Stufe, die "mindestens dem bisherigen Tabellenentgelt entspricht". Dieses "mindestens" kann im Einzelfall auch mal bedeuten, das es sich nur 2,50€ handelt, die Brutto mehr bei rausspringen nach einer Höhergruppierung!!!! Da das sogar den Verdi Verhandlungsführern etwas mager erschien, haben sie den sogenannten "Garantiebetrag" rausverhandelt. Der bedeutet, das es mindestens 50€ (bwz. 25€ in EG Acht) mehr sein sollen, und wenn das die Tabelle eben nicht hergibt, springt der Garantiebetrag solange ein, bis die nächste Erfahrungsstufe in der neuen Entgeltgruppe erreicht ist. Das ist wahrlich ein toller Ausgleich dafür, das es zu BAT-Zeiten durchaus um mehrere Hundert Euro im Monat bei einer Höhergruppierung ging. Wenn dann auch noch der Fall vorliegt, das von EG12 nach EG13 höhergruppiert wird, schlägt dieses System dem Faß den Boden aus: denn nun wird plötzlich die Jahressonderzahlung von 80% in EG12 auf 60% in EG 13 gekürzt, so das in Summe das Jahresentgelt nach der Höhergruppierung trotz Garantiebetrag sinkt!!!! Diesen Effekt hätte der sprichwörtliche Blinde mit dem Krückstock sicher erkannt - nur unsere Gewerkschaftsheinis natürlich nicht... Auch hier hätte 2005 auf bessere Regelungen gedrungen werden müssen und im Fall, daß die Arbeitgeberseite in diesem Punkt nicht nachgegeben oder an anderer Stelle nach Kompensation verlangt hätte, wäre eben nicht abgeschlossen worden! Alles in allem kann ich nur sagen, das das Trauerspiel um TVöD und TV-L munter weitergeht. Verdi ist ein absoluter Abwrackerverein geworden... Wobei ich im stillen glaube, das all diese schweren Nachteile von TVöD und TV-L gegenüber dem BAT den Verdi-Oberen durchaus von Anfang an voll bewußt gewesen sind. Im Zeichen rapide sinkender Mitgliederzahlen, sind TVöD/TV-L aber vielleicht aus deren Sicht ein geschickter Schachzug um dem entgegen zu wirken!? Schließlich haben viele Mitglieder die wahre Bedeutung dieser Tarifverträge bis heute nicht verstanden und für alle neu Hinzukommenden ist der BAT ohnehin von vorne herein Geschichte. Da nun die Bedingungen unter dem TVöD/TV-L schlechter sind als unter dem BAT, hat man als Gewerkschaft wieder auf viele Jahre hinaus ein reiches Betätigungsfeld. Erfolge lassen sich leichter erzielen, da ja von einem niedrigeren Niveau ausgegangen werden muß. So hofft man vielleicht, Mitglieder zu halten oder neue hinzuzugewinnen... PS. Was mir gerade noch einfällt angesichts der Forderungen für die kommende Tarifrunde: Ein großes Ärgernis ist doch auch der sogenannte "Strukturausgleich"! Das sind diese "Abspeisebeträge" für Leute, die bei Inkrafttreten von TVöD/TV-L noch nicht die höchste Altersstufe in ihrer Vergütungsgruppe nach BAT erreicht hatten. Diese Altersstufen sind ja nun für immer weg. Stattdessen gibt es den Strukturausgleich. Um das mal für meinen Fall mit Zahlen zu hinterlegen: Durch den Wegfall der noch ausstehenden Altersstufen gehen mir dynamische 130€/Monat flöten (dynamisch soll heißen, die 130€ wären mit jeder Tariferhöhung ebenfalls erhöht worden). Stattdessen bekomme ich nun seit November 2008 satte 40€ statisch als Ersatz dafür!!!! D.h. diese 40€ werden auch in 20 Jahren noch immer vom Betrag her 40€ sein, vom tatsächlichen Wert aber vielleicht nur noch 20€!!! Demgegenüber wären aus den derzeit 130€ aus den Altersstufen in 20 Jahren (bei einer angenommenen durchschnittlichen Erhöhung der Tarife um 2% pro Jahr) über 190€ geworden... Dieses Eisen packet Verdi aber garnicht erst an. Vermutlich, weil es eine zu große Zahl von Beschäftigten betreffen würde und damit für die Arbeitgeber sehr teuer werden könnte! [Dieser Beitrag wurde 1mal bearbeitet, zuletzt am 16.12.2009 um 09:55.] |
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Verfasst am: 19. 12. 2009 [11:33]
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schwarzerbloch
Bloch
Dabei seit: 20.08.2011
Beiträge: 0
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Hallo Thorsten, traurig aber wahr, was Du da alles auf's Blatt bringst. So genau hatte ich mich noch gar nicht mit der "Schmierenkomödie" Tarifverhandlungen 2010 befasst. Ich will schon seit Tagen eine neue Kategorie "Tarifkampf 2010" ins Forum setzen, aber irgendwien fehlt mir die Kraft, weil mir die Wut die Energie abzapft. Allein schon die Frechheit mit 5 % Erhöhung in die Verhandlungen zu gehen, wo man doch weiß, dass das wieder auf 1,8 % herunter gehandelt wird, verschlägt einem die Sprache. Ich frage mich nur, warum ver.di nun versucht, so durch das Hintertürchen, die verpfuschten Tarifverhandlungen von 2005 zu reparieren. Im Grunde ist doch alles durch und die Leute blicken doch gar nicht wie ihnen geschieht, und nehmen dann das Desaster als gottgewollte Krisenbewältigungsstrategie hin, an der man eh nichts ändern kann....gut die Mitglieder treten in Scharen aus, das könnte ein Argument sein, warum sich ver.di auf ihren Auftrag besinnt. Aber wie verklickern sie denn jetzt den Leuten, dass sie sie damals verkauft haben und jetzt wieder zur Besinnung gekommen sind, ohne dass die Leute merken dass sie verhohnepiepelt wurden und werden? Man könnte dies das SPD-Syndrom nennen. Schade dass die Leute einfach so austreten, anstatt den gewählten Führern in den Arsch zu treten, und zwar so fest, dass sie fern ab von allen Gremien und Futtertöpfchen zum Stillstehen kommen. Ich werde mich aufraffen und im Forum eine Plattform für den Tarifkampf 2010 aufmachen....kann sich nur noch um Stunden handeln Bis dahin, danke für die Recherchen und Augenöffner Gruß atta |
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Verfasst am: 21. 12. 2009 [07:52]
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roland
roland
Themenersteller
Dabei seit: 20.08.2011
Beiträge: 0
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Hallo Atta, mach doch einfach eine übergeordnete Rubrik "Tarifverhandlungen" auf, in die du dann die bisherigen Rubriken "Tarifverhandlungen 2008" und "Tarifkampf 2009" gleich mit reinschieben kannst!? Bei der Gelegenheit kannst du dort dann auch die Rubriken "Verhandlungen Entgeltordnung Länder" und "Verhandlungen Entgeltordnung Bund und Kommunen" anlegen. Zum Thema Entgeltordnung Länder ist mir eben gerade auch etwas aufgefallen, von dem ich nicht weiß ob ich es glauben soll: auf der Startseite der TdL (=Tarifgemeinschaft deutsche Länder) unter http://www.tdl-online.de/ lese ich ganz oben die Schlagzeile "11. Dezember 2009 Gewerkschaften brechen Verhandlungen zu einer neuen Entgeltordnung in den Ländern ab Pressemitteilung der TdL 04/2009" Wenn das stimmt, wäre das ein Hammer!!! Bei Verdi habe ich noch nichts dazu gefunden und auf den Seiten der dbb-Tarifunion wird unter dem Datum 11.12. von "wichtigen Zwischenergebnissen" gesprochen und keineswegs von einem Abbruch der Verhandlungen. Liegen Gewerkschaften und Arbeitgeber inzwischen schon soweit in ihren Wahrnehmungen auseinander, das die eine Seite dieselbe Sache einmal als Verhandlungsabbruch und die andere Seite als Fortschritt ("Zwischenergebnisse") ansehen??? Falls wir uns hier nicht mehr lesen sollten: ich wünsche Dir eine ruhige und entspannte Weihnachtszeit und einen guten Start ins kommende Jahr. Grüße Thorsten |
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Verfasst am: 22. 12. 2009 [09:19]
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schwarzerbloch
Bloch
Dabei seit: 20.08.2011
Beiträge: 0
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Hallo Thorsten, ich mach eine Rubrik "Tarifverhandlungen" auf und ordne nach Jahreszahlen Da ich jetzt in den Weihnachtsvorbereitungen stecke, logistischer Kollaps" wird das erst geschehen, wenn die angeblich besinnlichen Zeiten überlebt sind. Diese frappierend unterschiedliche Informationspolitik ist sicherlich kein Versehen, sondern ausgeklügelte Tariftaktik. Die eh schon uninformierten Angestellten, die kaum mehr im Wuste durchblicken, macht man konfus, so dass denen schon die Haare zu Berge stehen, wenn sie nur das Wort Tarifverhandlungen lesen (wenn sie es überhaupt mitkriegen). Der nichtangestellte Bürger, der von Vorurteilen über den öffentlichen Dienst gespickt ist, blickt es dann auch nicht mehr, und so kann man dann getrost so tun, als ob man verhandelt, während die Karten schon gemischt und verteilt sind. So sehe ich das, mich wundert diese Art von Informationspolitik in diesem unserem Staate in dieser unserer Zeit überhaupt nicht mehr, nein, sie macht wieder einmal wütend und ohnmächtig. Aber gut, im neuen Jahr wird alles anders und mit dieser Devise wünsche ich Dir ein frohes Fest und nen guten Start ins neue Jahr. Liebe Grüße Atta |
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